Mit Volldampf gegen Übergewicht

An der Hauptschule Neutraubling gibt es ein Pilotprojekt für gesünderes Leben. Zwölf Mädchen machen mit.
NEUTRAUBLING. Die Neutraublinger Hauptschüler sind couragiert und zielbewusst. Wo andere jammern und klagen, aber passiv bleiben, gehen sie ein Problem, über das keiner gerne spricht, offensiv an: Das Problem mit dem Übergewicht. Seit 12. Januar läuft an der Hauptschule das Pilotprojekt "Immer Zirkus ums Essen", das es sich zum Ziel gemacht hat, übergewichtigen Jugendlichen zu helfen, ihr Leben so umzustellen, dass das Übergewicht verschwindet - und auch nicht wieder kommt!
Idee vom Gesundheitstag Projekt bald auch für Buben

Zwölf Mädchen von der 5. bis zur 9. Klasse kommen einmal in der Woche zusammen, um gemeinsam mit der Ernährungsberaterin und Psychologin Gudrun Fickler einen Ernährungsplan zu erarbeiten. Dabei geht es in erster Linie nicht um eine Diät, sondern darum, dass die Mädchen sich intensiv mit der Ernährung befassen und dabei ein richtiges, gesundes Ernährungsverhalten erlernen, das dauerhaft prägend für ihr Leben sein kann. Zusätzlich wird für diese zwölf übergewichtigen Mädchen zweimal in der Woche Sport angeboten.

Die Idee zu diesem ehrgeizigen Projekt entstand aus dem Gesundheitstag im Jahr 2008 und natürlich auch aus der Beobachtung, dass die Kinder immer dicker werden. Hauptinitiatorin ist die Sportlehrerin Margot Gärtner, die das Projekt erdacht und organisiert hat und nun auch durchführt. Sie hat mit Unterstützung des Schulleiters Anton Mangelkramer die entsprechenden Stellen mobilisiert. Die AOK sitzt wie schon so oft bei solchen Gesundheitsaktionen (in den Kindergärten ist die AOK mit dem "tigerkids"-Ernährungs-Programm vertreten) ganz vorne mit im Boot und unterstützt das Abnehm-Projekt maßgeblich. Doch auch die anderen Kassen bezahlen zwischen 75 und 80 Prozent der beim Kurs anfallenden Kosten. Gudrun Fickler selbst arbeitet umsonst, sodass die Restkosten für die Schülerinnen auch finanzierbar sind.

Natürlich wird auch gemeinsam gekocht - die Zutaten hierfür müssen die Schülerinnen zum Beispiel selber kaufen. Margot Gärtner, die dasselbe Projekt demnächst auch für Buben anbieten will ("Da stehen schon welche in der Warteschlange!"), hofft, dass sich Sponsoren (die Stadt, Lebensmittelgeschäfte, Ärzte und so weiter) finden, die dieses ehrgeizige und mutige Projekt in Zukunft unterstützen wollen.

Übrigens werden in den acht Wochen, in denen der Kurs stattfindet, auch die Eltern mit einbezogen. "Wir halten Infoabende ab und stehen mit den Eltern in Kontakt, denn schließlich muss solch eine Ernährungsumstellung von der Familie mitgetragen werden", meint Margot Gärtner. Die Mädchen in diesem ersten Kurs "Immer Zirkus umŽs Essen" sind sehr stark motiviert und ehrlich daran interessiert, ihre Essgewohnheiten zu überprüfen und sich selbst auf den Prüfstand zu stellen. Denn schließlich, so meint ein Mädchen aus dem Kurs zur MZ, "geht es ja nicht nur um gutes Aussehen, sondern auch um unsere Gesundheit!"

Beim Ernährungstraining für übergewichtige Jugendliche wird natürlich an der Hauptschule Neutraubling auch gemeinsam gesund gekocht. Foto: Lukesch

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Interview - Ein bewegter Alltag bringt Hilfe

Das sagt die Ernährungsberaterin der AOK Regensburg, Karin Germann-Bauer:

Was bewirkt Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen?

"Insbesondere starkes Übergewicht oder Adipositas im Kinder- und Jugendalter beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit, sondern auch das soziale Leben und Erleben nachhaltig. Störungen des Zuckerstoffwechsels (Vorstufe zu Diabetes Typ 2), Bluthochdruck oder Rücken- oder Knieprobleme können auch schon bei Jugendlichen mit starkem Übergewicht auftreten und lassen dann entsprechende Folgeschäden erwarten. Fast die Hälfte der adipösen Kinder und mehr als Dreiviertel der adipösen Jugendlichen werden aller Voraussicht nach auch als Erwachsene mit Übergewicht zu kämpfen haben."

Was kann man dagegen tun?

"Ein bewegter Alltag und viel Bewegung in der Freizeit, am besten mit der ganzen Familie, sind die grundlegende Voraussetzung, um Übergewicht zu vermeiden. Auch die Mitgliedschaft im Sportverein ist zu begrüßen. In Bezug auf die Ernährung sind vor allem kalorienfreie oder -arme Getränke zu empfehlen, da der verstärkte Konsum von Softdrinks einen deutlichen Zusammenhang mit der Entstehung von Übergewicht aufweist. Generell sollte Kindern eine breite Palette von Lebensmitteln mit geringer Energiedichte angeboten werden, wie Obst, Gemüse, Brot, Kartoffeln und fettarme Milchprodukte, eine Hand voll Obst oder Gemüse wird als Zwischenmahlzeit empfohlen. Kalorienreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten sollten zwar nicht verboten werden, aber auch nicht als Belohnung eingesetzt und in der Menge begrenzt werden."

Zahlen und Fakten

Schwere Kinder: In den Schuljahren 2004/2005 gab es über zehn Prozent übergewichtige Schulanfänger (vier Prozent waren fettleibig) in Stadt und Landkreis Regensburg.

Tendenz rückläufig: Mittlerweile geht der Anteil der übergewichtigen Kinder langsam zurück. Dennoch waren im Schuljahr 2006/2007 noch neun Prozent der Kinder übergewichtig oder fettleibig. Im Landkreis Regensburg fallen diese Werte übrigens etwas besser aus als in der Stadt selbst, das heißt auf dem Land sind die Kinder tendenziell etwas dünner. (lla)

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Umfrage - Zirkus ums Essen: Was sind eure Ziele?

Zwölf Mädchen von der 5. bis zur 9. Klasse kommen derzeit einmal in der Woche zusammen, um gemeinsam mit der Ernährungsberaterin und Psychologin Gudrun Fickler einen Ernährungsplan zu erarbeiten. Die MZ sprach mit einigen davon:

So will Egzona (11) aus Neutraubling abnehmen und sich in Zukunft besser und gesünder ernähren. "Ich wünsche mir, dass ich nach dem Kurs so weitermache, wie ich es hier lerne, und dass ich dünner werde."
Sabine (15) aus Neutraubling will, "dass es mir besser geht und dass ich mich verändern kann. Ich wünsche mir, dass die anderen auch erkennen, dass wir Übergewichtigen lieb sind und dass das auch optisch zur Geltung kommt. Ich hoffe, dass ich sportlicher werde, damit es mir gesundheitlich besser geht und dass ich durch mehr Sport auch mehr abnehme. Ich wünsche mir auch, dass ich nicht mehr so schnell außer Atem komme."

Ina (14) aus Neutraubling macht mit, weil sie abnehmen will. "Und das will ich nicht nur wegen des Äußeren, sondern auch wegen meiner Gesundheit. Ich will mich gesünder ernähren und freier bewegen können. Ich will nicht mehr so eingeschränkt leben und gleich außer Puste sein. Ich wünsche mir, dass ich nach dem Kurs anders ausschaue und mich wohler fühle. Ich möchte auch andere Ernährungsgewohnheiten erlernen."

Julia (11) aus Barbing möchte erreichen, dass sie mit Hilfe dieses Kurses an Gewicht abnimmt. Weiter sagt sie: "Meine Ernährung will ich gerne umstellen und ich möchte das auch in meiner Familie weitergeben, damit auch hier sich alle künftig gesünder ernähren. Ich wünsche mir sehr, dass ich im Laufe des Kurses schlanker werden und dass ich in Zukunft von meinen Mitschülern mehr respektiert werde.

 
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Von Angelika Lukesch
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